Harte Zeiten für Nacktschnecken

Gestreifte Weinbergschnecken im Garten

Draußen herrscht gerade Land unter. Wenn es weiterhin so regnet, werden bald Seerosen in der Wiese wachsen. Anscheinend möchte die Natur den trockenen April wieder ausgleichen. Die Pflanzen atmen auf und auch einige Tiere finden das nasse Wetter richtig behaglich: Schnecken!

Wäre ich vor etlichen Jahren bei solcher Witterung rausgegangen, hätte ich Horden von großen Nacktschnecken gefunden. Unser Garten war einst ein besonderes Paradies für sie, sie waren die heimlichen Herrscher unserer Grünflächen. Von der Hecke als schattigen Rückzugsort aus starteten sie regelmäßig ihre Raubzüge. Dort, wo sie einfielen, wuchs nicht mehr viel, und ich konnte nur regelmäßig ihre pflanzlichen Opfer betrauern und verzweifeln.

Aber mein schlechtes Gewissen hielt meine Hand mit dem Schneckenkorn zurück und mein viel zu weiches Herz verbot mir stets andere barbarische Aktionen mit Salz oder dergleichen. Doch mit der Zeit griff die Natur selbst ein und änderte etwas…

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Gestreifte Weinbergschnecke (Helix lucorum)

Gestreifte Weinbergschnecken auf der Gewinnerstraße

Die Zeiten haben sich geändert. Auch heute finde ich bei Regenwetter noch Schneckenhorden, aber es sind fast ausschließlich kleinen Schnirkelschnecken, Tigerschnegel und vor allem gestreifte Weinbergschnecken. Letztere übernehmen langsam aber sicher den Garten. Von einigen wenigen Exemplaren ausgehend hat sich ihr Bestand seit etwa zehn Jahren derart vergrößert, dass ich ihre Zahl nicht annähernd abschätzen kann. Aber um einen Eindruck zu vermitteln sei gesagt, dass unsere Kinder neulich binnen weniger Minuten mühelos mehr als vierzig solcher Weichtiere finden konnten.

Die großen, Salat und Blumen vernichtenden Nacktschnecken machen sich dagegen rar. Einige kleinere Exemplare konnte ich heuer beobachten, aber nicht besonders viele. Sie werden wohl, so sieht es für uns aus, von den anderen Schnecken verdrängt, denn jährlich werden es weniger.

Nicht förderlich für ihre Zahl war womöglich auch der heiße und trockene Sommer des  letzten Jahres. Ihren riesenhaften Verwandten mit Gehäuse dagegen konnte er nichts anhaben.

Gestreifte Weinbergschnecke

Kurz gesagt: An der aktuellen Entwicklung – mehr gestreifte Weinbergschnecken, weniger Nacktschnecken – habe ich persönlich derzeit nichts auszusetzen, zumal diese sanften Riesen meine Blumen und mein Gemüse in Ruhe lassen. Außerdem finde ich sie hübsch und freue mich, wenn ich immer wieder neue Farbvarianten ihrer Häuser entdecke: Mit vielen Streifen oder mit wenigen, mit schmalen Streifen oder mit breiten, dunkle, helle, rötliche, beige, schwarze, …

Größenvergleich Weinbergschnecken und Garten-Schnirkelschnecke
Größenvergleich: Die kleine Garten-Schnirkelschnecke im linken Bild wirkt zwergenhaft neben der gestreiften Weinbergschnecke (Helix lucorum); auch die „normale“ Weinbergschnecke (Helix pomatia) im rechten Bild kann größenmäßig nicht ganz mithalten.

 

12 Gedanken zu „Harte Zeiten für Nacktschnecken

  1. Nacktschnecken sehe ich bei uns so gut wie ueberhaupt nicht. Dafuer haben wir andere Schaedlinge, die sich ueber Gruenzeug hermachen. Zur Zeit sind unsere Redbuds von einem Pilz befallen, der die Blaetter erst loecherig und dann gelb und braun werden und zuletzt absterben laesst. Und unsere Texas Mountain Laurels zeigen alle einen mehr oder weniger starken Befall von Raupen. Leider – ich tue das nun wirklich nicht gerne und nur als letzten Ausweg, um die Baueme zu retten – blieb mirgestern nichts Anderes als die Chemiekeule.

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      1. Wir hoffen es auch, liebe Steffi. Die Beraterin von der Landwirtschaftskammer war da ziemlich zuversichtlich, und so machen wir uns keine (zu) grossen Sorgen. Ich beobachte die Baeume und werde im Zweifelsfall erneut spritzen. auch wenn ich das nicht so gerne tue. Ich muss mich mal informieren, was es da Organisches gibt.
        LG,
        Pit

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    1. Schick die Schnecken bitte nicht zurück! 😉

      Blattläuse gibt es bei uns heuer auch auffällig viele. Aber sie halten sich bislang noch von den Pflanzen fern, an denen mir besonders viel liegt. Mal sehen, wie lange das gut geht…

      LG Steffy

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      1. Naja ich hab sie im hohen Bogen über den Zaun geworfen und sie kamen nicht zurück. Ich bin nicht sicher aber ich meine eine davon heute am Straßenrand beim trampen gesehen zu haben und ich müsste mich täuschen wenn da auf dem Schild nicht „Hollergarten“ stand 😁

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  2. Bei uns ist das Bild ähnlich. Vor Jahren haben wir noch kübelweise Spanische Wegschnecken gesammelt. Heute sind hauptsächlich Bänderschnecken, Tigerschnegel und Weinbergschnecken unterwegs, wobei es bei uns die normalen und nicht die gestreiften sind. Es hängt viel mit trockenen Phasen im Sommer und Frost im Winter zusammen. Auch der Gartenteich hat viel verändert, weil er Amphibien, Glühwürmchen und andere Fressfeinde anlockt. Salat kommt trotzdem ins Badewannenhochbeet und um die vorgezogenen Zucchini kommt nach dem Raussetzen zuerst einmal ein Gitterschutz. Auch Weinbergschnecken fressen Nutzpflanzen, aber sie sind leichter zu kontrollieren. Und die Natur sorgt irgendwie immer für Diversität. Man muss schon aktiv was tun, um am Ende nur noch Spanische Wegschnecken im Garten zu haben, z.B. zuerst mit Schneckenkorn alle Fressfeinde aushungern, wobei das natürlich auch auf den umliegenden Feldern passieren kann. Da sieht man manchmal die Massen herauskriechen.
    Liebe Grüße, Richard

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    1. Das Problem ist: Bei kurzfristiger Denkweise scheint Schneckenkorn eine äußerst effektive Maßnahme zu sein. Der Garten wirkt schön aufgeräumt und Geduld braucht man keine. Nur wer weiter in die Zukunft denkt, sieht die Schwachstellen in diesem System.

      Die gestreiften Weinbergschnecken sind in Sachen Fraßschäden übrigens wirklich zahm: Ich sehe sie ständig am Grünbelag des Gewächshauses und an abgestorbenen Pflanzenteilen. An meinen Nutzpflanzen konnte ich sie noch niemals in flagranti entdecken.

      LG Steffy

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